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CONTACT (première étape) – Festival
d'Avignon 2004
Presse
20.07.2004
(Eliot Dardy: La Vingt-cinquième heure - "CONTACT - première étape" von Philippe Olza im Saal Benoît XII)
(...) Der belgisch-schweizerische Tänzer und Choreograph Philippe Olza (der ebenfalls Akrobat und Revue-Tänzer war) präsentierte in Avignon mit "CONTACT - pemière étape" seine neue Kreation, die sich auf spielerische Weise der Ausdrucksformen des Tanztheaters bedient. Philippe Olza entwickelt in seiner choreographischen und tänzerischen Arbeit einen ebenso zeitgenössischen wie persönlichen Stil, der jedoch eine erstaunliche Nähe zum Betrachter etabliert. "CONTACT - première étape" entspricht durch seinen Einfallsreichtum und seine Unmittelbarkeit genauestens der Idee dieser nächtlichen "Vingt-cinquième heure" (fünfundzwanzigsten Stunde) in Avignon, deren Ziel es ist, den "Contact" zwischen aktueller Theaterarbeit und einem neuen Zuschauerkreis herzustellen. Philippe Olza zeigt uns in seiner Choreographie die Begegnung einer Figur à la Buster Keaton mit einem Staubsauger, die
ihrer grotesk-komischen Weise an den Film "Mon oncle" von Jaques Tati erinnert. Der Betrachter fühlt sich jedoch von dieser ebenso humorvollen wie poetischen Begegnung zwischen einem Menschen und einer Maschine, die diesen gleichsam "aufsagt", seltsam angesprochen. Kurzum: eine Choreographie voller Einfallsreichtum und hintergründigem Humor, die ihren fragmentarischen Charakter keineswegs leugnet. Wir erwarten mit Spannung die Fortsetzung dieses Abenteuers.
22.07.2004 (Jacques Chaussepied: Sternenstaub)
(...) Wie eine einfache Teppichmilbe unter einem roten Teppichboden liegend oder buchstäblich am Steuer seines Staubsaugers sitzend: Philippe Olza bietet uns in seiner neuen Choreographie eine bunte Vielfalt an Perspektivverschiebungen. Es ist schon ein komischer Vogel, der da in überraschenden Posen und Bewegungen den Bühnenraum durchmisst und sich zuguterletzt sogar auf dem Motor seiner Staubsauger-Höllenmaschine ein Ei brät und einen Kaffee kocht. Am Ende weiss man nicht mehr recht, wer hier saugt, und wer aufgesaugt wird! Jeder Gegenstand wird dekonstruiert und ins Absurde verschoben, einschliesslich des Staubsaugergeräusches selbst, das vom Tänzer bisweilen imitiert wird. Das rote Teppichquadrat umkreisend, verwandelt er sich plötzlich in einen unwiderstehlich komischen Brüsseler Taxifahrer (mit belgischem Akzent) oder einen biederen Schweizer Eidgenossen. Durch zahlreiche dadaistische Pirouetten wird die Welt durcheinander geschüttelt, um einen Zustand geordneter Unordnung zu erreichen. Hinter der gewitzten Fassade verbirgt sich jedoch ebenfalls eine grosse tänzerische Meisterschaft. Philippe Olza, der an der Scuola Teatro Dimitri in der Schweiz und bei Maurice Béjart in Brüssel ausgebildet wurde, verfolgt seit einigen Jahren eine Solokarriere, die ihn u.a. von Avignon über Oshogbo (Nigeria) nach Rom und Paris führte. Er präsentierte diese Variation für Mensch und Staubsauger im Rahmen der "Vingt-cinquième heure" (fünfundzwanzigsten Stunde) des Festivals von Avignon 2004.
24.07.2004 (Werner Kolk: Welcome to the Machine)
(...) im Saal Benoît XII, eine gelungene „Vingt-cinquième
heure : "CONTACT - première étape"
von Philippe Olza. Das 58. Festival von Avignon stellte
einen wahren Neubeginn dar. Die fünundzwanzigste Stunde
(La vingt-cinquième heure) im Saal Benoît XII
eine der innovativsten Ideen bzw. "der Fund dieses
58. Festivals" (Libération vom 19. Juli 2004).
Ein Ort für Experimente und Ideenlabor, wo um ein Uhr
nachts einem Künstler oder einer Truppe die Bühne
frei stand.
In der Nacht vom 17. auf den 18. Juli präsentierte
hier der belgisch-schweizerische Künstler Philippe
Olza "CONTACT", erste Etappe einer neuen Solotanz-Choreografie:
die Begegnung zwischen einem Mann und einem Staubsauger.
Zu Beginn ist man neugierig, am Ende begeistert von der
tänzerischen Leistung. Die einfache Szenografie besteht
aus drei Elementen: einem Mann, einem Quadrat aus rotem
Teppichboden, einem gelben Industriestaubsauger. Während
die Zuschauer Platz nehmen, schläft der Mann unter
dem Teppich. Er erwacht langsam, erhebt sich und schaltet
den Staubsauger ein. Den Kontakt herstellen, in Kontakt
treten... welcome to the machine. Der Mann ist bestrebt
(aber nach was strebt er?) sein Territorium zu säubern;
sein einziges Gegenüber - sein einziger "Kontakt"
- ist die Maschine. Man denkt an die Bilder eines Francis
Bacon, auf denen die (menschliche) Figur in einer Struktur
gefangen ist und nach einem Ausweg sucht. Was sich auf der
Bühne abspielt wird so zur Metapher unserer Situation:
der Vereinzelung des modernen Menschen, der in einem Kokon
eingeschlossen ist. Der Staubsauger verwandelt sich schliesslich
in eine Maschine für alles, von der Camping-Küche
bis zum Kommunikationsschlauch mit einer virtuellen Aussenwelt.
Philippe Olza spricht über unser Los, unsere tragikomischen
Moderns Times. Wir strebten nach Glück und sind am
Ende nur noch bestrebt Staub zu saugen - unser eigenes Todessymbol.
Es gibt viel zu lachen, aber über uns selbst. Philippe
Olza dekliniert in seiner Darbietung mit grosser technischer
Meisterschaft die ganze Bandbreite des Tanztheaters, Wort
und Bewegung verbindend. Wir erinnern uns an die Begegnung
von Susanne Linke mit einer Badewanne; die Vorgehensweise
von Philippe Olza ist jedoch deshalb so einzigartig, weil
er nicht durch distanzierende Verfremdung vorgeht, sondern
durch Verschiebung, durch subtile "Verrückungen",
mittels derer eine banale Szene aussergewöhnliches
Ansehen und Sinn erhält. Es ist das Verfahren eines
Charlie Chaplin, eines Buster Keaton. Am Ende seiner Darbietung
umkreist der Tänzer in immer schnellerem Tempo sein
Territorium - den roten Teppich - wie ein Himmelskörper
auf seiner Umlaufbahn, bis er sich zum Ausgang hinauskatapultiert...
Oder vom Leeren aufgesogen wird? "CONTACT - première
étape" von Philippe Olza. Ein echter Etappensieg!
08.09.2004 (Marie Dulcamara: Philippe Olza zurück in Avignon während einer "Vingt-cinquième heure")
(...) Diesen Sommer hat das Festival von Avignon zu neuem
Glanz gefunden und die Stadt mit einem reichen Theater-,
Tanz- und Musikprogramm erfüllt. Die neuen Festivalleiter
Hortense Archambault und Vincent Baudriller können
zufrieden sein. Philippe Olza, der belgisch-schweizerische
Tänzer, Schauspieler und Choreograph, erntete in den
vergangenen Jahren bereits zweimal Beifall in Avignon: 1988
mit "Le Funambule" von Genet im In-Programm und
im Jahr 2000 - im Rahmen von "Avignon europäische
Kulturhauptstadt" - mit seiner Performance "Madame
Monsieur" im Musée Calvet. Dieses Jahr zeigte
er im Saal Benoît XII die erste Etappe der Solotanzkreation
"CONTACT - première étape": die
Begegnung zwischen dem Tänzer und einem Staubsauger,
die von Philippe Olza mit grossem Schwung und beissendem
Humor dargestellt und vom Publikum mit langanhaltendem Beifall
belohnt wurde. Wir erwarten mit Spannung die Fortsetzung
dieses vielversprechenden Projekts.

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